Ich liebe es, genau auf die Sprache zu schauen und zu entdecken, wie oft wir Dinge einfach so vor uns hinsagen, ohne uns bewusst zu machen, was wir da eigentlich sagen. Dabei deutet der Umgang mit Sprache (unbewusst) viel stärker auf unsere innere Haltung hin, als wir meinen. Einige Beispiele? Wenn du „dich beschwerst“ – über eine Sache, einen Menschen oder eine Situation –, dann kannst du über die wörtliche, bildhafte Bedeutung verstehen, dass du dir die Last in Wirklichkeit selbst auf deine Schultern legst. Wenn du hingegen „enttäuscht bist“, ist das meiner Meinung nach ein Grund zur Freude – hilft es dir doch, aus einer Illusion befreit viel klarer deinen Weg gehen zu können. Der Satz „Ich habe keine Zeit.“ lässt dich irgendwelchen höheren, ominösen Zeitmächten hilflos ausgeliefert zurück – wenn du hingegen sagst: „Ich habe mich entschieden, meine Zeit auf eine bestimmte Art und Weise zu verwenden“, dann erlaubst du dir selbst, handlungsfähig und eigenverantwortlich die Situation in deinem Sinne zu verbessern.

Wenn du dir die eigentliche Bedeutung von Worten, Begriffen und Redewendungen bewusst machst, kann dich das unterstützen, dich selbst besser zu erkennen, deinen Mustern, Prägungen und Haltungen auf die Schliche zu kommen und sie zu verändern. Denn je nachdem, wie du Sprache verwendest, stärkst du dich und förderst deine Kraft – oder schwächst dich und deine Position. Welche Art, die Dinge zu betrachten und zu formulieren, wählst du? Du entscheidest durch die Ausrichtung deiner Gedanken und Gefühle zu jedem Zeitpunkt, welche Realität du in deinem Leben wahrnimmst. Die Energie folgt deiner Aufmerksamkeit: Das, worauf du deinen Fokus legst, wird sich vermehren. Das Leben kennt dabei keine Vorzeichen – ob du also auf „Positives“ oder „Negatives“ deine Aufmerksamkeit lenkst, spielt für diesen Mechanismus keine Rolle.

Ganz wunderbar lässt sich das an den Worten „dafür“ und „dagegen“ zeigen: Wenn du zum Beispiel für Verständigung bist, hat das eine ganz andere Qualität, als wenn du dich gegen mangelnde Kommunikation aussprichst. „Für“ öffnet, „gegen“ verschließt. „Dafür“ sieht in allem, was geschieht, Möglichkeiten und Chancen. „Gegen“ schaut auf die Probleme und verengt damit deinen Handlungsspielraum.

Ein „Dafür“ weitet dich: Es schließt nämlich die Lösung dessen, wogegen du bist, mit ein. Wenn du für Vertrauen bist, löst du damit die Zweifel, gegen die du dich wehrst, gleich mit auf. Deine Grundenergie im „Dafür-Modus“ ist weich und kooperativ, du bist offen, um dich vom Leben inspirieren zu lassen, wie dein nächster Schritt aussieht. Das kann sogar bedeuten, Grenzen zu setzen oder „Nein“ zu sagen. Aber du tust und sagst das dann aus einer ganz anderen Haltung und „Schwingung“ heraus, als wenn du deinen Widerstand sprechen lässt.

Ein „Gegen“ ist immer mit Anspannung verbunden. Anspannung verschließt dich ein Stück weit – du atmest flacher, dein Brustkorb, dein Magen und deine Muskeln ziehen sich zusammen, auch dein Blickfeld verengt sich: Du übersiehst Optionen und potenzielle Auswege, deine Fähigkeit zu ruhigem, überlegtem Denken wird eingeschränkt. Niemandem ist damit geholfen – einer Lösung der Sache, gegen die du bist, schon gar nicht.

Im besten Fall kannst du diese Erkenntnis nutzen: Denn indem du sagst, dass du gegen etwas bist, wird genau die Stelle in dir sicht- und spürbar, die sich im Widerstand befindet – und das bedeutet: Dort genau möchte in dir noch etwas angenommen, angeschaut und vielleicht sogar umarmt und geheilt werden. Diese Art von Eigenverantwortung für deine Gefühle ist die stärkendste Haltung, die du einnehmen kannst.

Dein Blickwinkel ist also entscheidend – du selbst bestimmst, wie du die Welt siehst. Genau darum geht es beim „F“ meiner „K.R.A.F.T.-Formel“: Deinem Fokus. (Falls du mein E-Book noch nicht hast, kannst du es dir auf meiner Startseite kostenlos herunterladen.) Wo lenkst du deinen Blick hin? Auf das, was dich stärkt, oder auf das, was dich schwächt?

Schaue vom Warum zum Wofür!

Das gleiche gilt für den Unterschied zwischen „Warum“ und „Wofür“: „Warum ist rückwärtsgewandt und verbindet sich oft mit einer Art von Opferempfinden. Manchmal beschweren wir uns: „Warum nur immer ich? Warum schon wieder diese Situation? Warum hat er/sie/es mir das angetan?“ Warum macht dich passiv – und selbst wenn eine gütige Fee käme und dir verraten würde, dass du mit deiner Vermutung, warum Dinge so sind, wie sie sind, absolut Recht hättest – es würde dir für deine eigene Entwicklung, dein Wachstum und deine Heilung nichts nützen. Denn dein Fokus bliebe auf der vermeintlichen Ungerechtigkeit im Außen. Du kannst die Dinge im Leben oft nicht ändern, aber immer deine Haltung dazu: Von schwächend zu stärkend. (Nebenbei bemerkt: Ich habe noch nie eine wirklich zufriedenstellende, dauerhaft hilfreiche Antwort auf eine Frage bekommen, die mit „Warum …?“ anfing.)

„Wofür“ öffnet einen Vorstellungsraum und erweitert deine Möglichkeiten. Du übernimmst Eigenverantwortung, erweiterst deine Handlungsmöglichkeiten und trittst damit in deine Kraft ein. Mit „Warum“ gibst du Verantwortung ab und reduzierst damit deinen Spielraum der Möglichkeiten.

Hilfreiche Fragen, die du dir in schwierigen Momenten stellen kannst:

  • Was kannst du aus dieser speziellen Situation machen?
  • Welche neuen Wege, Möglichkeiten und Optionen ergeben sich für dich aus dieser Situation?
  • Auf welche Weise zeigt dir die Situation einen besonders wertvollen Teil in dir, den du bisher nicht (richtig) gesehen hast?
  • Wir kannst du die Situation nutzen, um zu wachsen und Dinge loszulassen, die nicht mehr hilfreich sind oder nicht mehr zu dir passen?
  • Was kannst du daraus für dich mitnehmen oder lernen?

Ändere deinen Blickwinkel

„Herausfordernde Momente“ nennen wir oft „Probleme“. Sagst du manchmal auch: „Ich habe ein Problem?“ Nun, sei beruhigt, jeder ist mal Problembesitzer, hat einer meiner Lehrer mal gesagt – das ist in einigen Fällen ansteckend, aber nicht lebensbedrohlich. Das Bemerkenswerte ist: Manche Menschen, die ein Problem haben, wollen es gar nicht mehr hergeben! Sie stecken oft in dieser „Problemtrance“ fest und schauen ausschließlich auf das, was nicht funktioniert. Warum? Nun, das Wegfallen eines Problems erzeugt Unordnung – Probleme mögen zwar nicht schön sein, aber sie sind wenigstens bekannt. „Was wäre ich ohne mein Problem?“ ist eine Frage, die man gar nicht ernst genug nehmen kann. Annett Louisan singt in ihrem Lied „Die Lösung“ so wunderbar treffend: „Geh‘ mir weg mit deiner Lösung / sie wär‘ der Tod für mein Problem.“

Wenn du dich also gerade mal wieder mit einem Problem beschwert hast, erinnere dich daran, dass es einen einfachen Weg heraus gibt (vielleicht ist er zu einfach und wird daher nicht ausreichend ernst genommen). Du kennst sicher das berühmte Zitat von Albert Einstein: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Also, falls du mal wieder im Besitz eines Problems bist und es gerne doch lieber wieder hergeben möchtest:

Lege deinen Fokus nicht auf dein Problem, sondern auf die Lösung.

Nimm dir einen Zettel und Stift und schreibe Antworten zu folgenden Fragen auf:

  • Angenommen, dein „Problem“ ist bereits gelöst, woran merkst du das?
  • Wie wirkt sich das auf dein Leben und dein Selbstbild, auf deine Partnerschaft oder deinen Beruf aus?
  • Was konkret ist anders in deinem Leben?
  • Was tust du ander(e)s als bisher?
  • Wie fühlst du dich, wenn du morgens aufstehst?
  • Welche neuen Möglichkeiten zeigen sich dir?

Wenn du magst, achte bei der Beantwortung der Fragen bewusst darauf, wie du dich dabei fühlst. Kannst du die Leichtigkeit spüren, die sich einstellt? Oder bemerkst du vielleicht sogar deinen Widerstand dagegen? Wunderbar – wieder etwas entdeckt und auf den Lösungsweg gebracht.

Egal, was du erlebst: Geh achtsam und leicht damit und mit dir selbst um. Denk dran: Wie du deine Zeit verwendest und wohin du im Leben schaust, ist deine ganz eigene Entscheidung!

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Foto: (c) Rainer Sturm / pixelio